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Reiseziele - Reisen in Europa
Geschrieben von: Heike Weichler   
Samstag, den 06. Februar 2010 um 01:00 Uhr
Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Toulouse, wie die Pont Neuf, lassen sich zu Fuß erkunden. Foto: Atout FranceDer Duft von Veilchen oder von Armagnac – in Toulouse liegt immer etwas in der Luft

Monique Guyard hat eine feine Nase. Die ist sozusagen ihr Kapital. Guyard kreiert Düfte im renommierten Kosmetikunternehmen Berdoues in Cugnaux, einem Vorort von Toulouse. Ihr jüngster Coup: Eine moderne Variante des Klassikers „Violettes de Toulouse“. Diesen Duft hatte Henri Berdoues, der Sohn des Firmengründers, 1936 für seine Herzensdame komponiert. Bis heute werden jährlich etwa 500 000 Flakons dieses Parfums in alle Welt verkauft. „Für einen Liter Duftextrakt braucht man 1000 Kilo Veilchenblätter“, verrät Guyard.

In den Straßencafés geht es sehr lebhaft zu.  Foto: Atout FranceVeilchen, die seit etwa 1850 um Toulouse gezüchtet werden, sind auch optisch eine Freude, wenn sie zwischen November und März lilafarben blühen und auf Märkten oder in Blumengeschäften angeboten werden. Alljährlich im Februar steigt in Toulouse die „Fete de la Violette“, ein Volksfest, bei dem Veilchen auch verkostet werden können: mit Zucker kandiert, als Likör, Konfitüre, Honig, Essig und sogar als Zutat in einem Senf.

Auch Thierry Roques tut etwas für das leibliche Wohl seiner Besucher. Er ist Manager des Weingutes Château de Cassaigne im Armagnac-Gebiet westlich von Toulouse. „Seit dem 15. Jahrhundert wird hier der älteste Weinbrand Frankreichs, gebrannt“, sagt er. Bei den Führungen erfahren Besucher einiges über die Herstellung des Armagnac und können den Weinbrand natürlich verkosten.

Danach tut ein Verdauungsspaziergang gut. Toulouse lässt sich leicht zu Fuß erkunden. Viele Sehenswürdigkeiten der 400 000 Einwohner zählenden Stadt sammeln sich im Radius von einem Kilometer um die Place du Capitole. Das Rathaus wurde nach den Ratsherren von Toulouse, den Capitouls, benannt. Im rechten Flügel des 128 Meter breiten klassizistischen Baus sind Oper und Theater zuhause. Den schönsten Blick über den Platz hat man von den Arkaden-Cafés auf der gegenüberliegenden Seite. Durch die Rue du Taur kommt man zur Basilika Saint-Sernin. Sie gilt als eines der größten und schönsten romanischen Gotteshäuser der Welt und ist eine wichtige Station für Pilger auf dem Jakobsweg. Über die Rue A. Lautmann und Rue Valade geht es zur Place St. Pierre. Malerisch ist der Blick über das grüne Wasser der Garonne auf die historischen Brücken, die sich darüber spannen. Weiter flaniert man auf dem von Platanen gesäumten Hochuferwegen Quai Lucien Lombard und Quai de la Daurade. Im Sommer hängen Künstler unterhalb der Kais an den Ziegelmauern ihre Werke zum Verkauf auf.

An der Pont Neuf in die Rue du Metz abbiegen. Ecke Rue de l’Ècharpe findet sich das Hôtel d’Assézat, das Anwesen des Pastel-Kaufmanns Assézat. Eine noch imposantere Pastel-Residenz ist ein paar Schritte weiter das Hôtel de Bernuy. Sein Erbauer Jean de Bernuy ließ es mit dem höchsten privaten Turm der Stadt errichten, halb rund, halb achteckig. Dahinter liegt die Klosterkirche Les Jacobins. Unter dem Hochaltar ruhen die Gebeine des Kirchengelehrten Thomas von Aquin. Über die Rue Romiguières spaziert man wieder auf die Place du Capitole und hat die schönsten Winkel der Stadt gesehen. Monique Guyard kann sich kein schöneres Fleckchen Erde vorstellen als Toulouse: „Meine Sinne würden woanders verkümmern.“


  • Informationen bei Atout France, Tel. (0900) 1570025, www.franceguide.com
  • Anreise: Air France fliegt täglich von Frankfurt über Paris nach Toulouse. Reservierungsstelle Tel. 01805 / 830 830 (0,14 € / Min.) oder im Internet unter www.airfrance.de
  • Übernachten: Mit Blick auf die Garonne logiert man im „Hotel des Beaux Arts“ (Tel. 0033/5/34 45 42 42, www.hoteldesbeauxarts.com). Alle 20 Zimmer des charmanten Hauses sind individuell möbliert. In der dazugehörenden „Brasserie Flo“ gleich ums Eck schlürfte 1898 schon Henri Matisse seine Austern. DZ inkl. Frühstück ab 140 Euro.
  • Wer im „Grand Hotel de l’Opéra“ (Tel. 0033/5/61 21 82 66, www.grand-hotel-opera.com) absteigt, residiert gediegen hinter den Mauern eines früheren Klosters, vis-à-vis von Rathaus und Theater. DZ inkl. Frühstück ab 190 Euro. Das „Hotel Albert 1er“ (Tel. 0033/5/61 21 17 91, www.hotel-albert1.com) liegt in einer ruhigen Straße nahe des Capitolsplatzes und war einst das Atelier eines Malers. DZ inkl. Frühstück ab 79 Euro.
  • Mittagessen: Wie wär’s mit einem Déjeuner über der Markthalle an der Place Victor Hugo? Ganz recht, der Bau sieht aus wie ein Parkhaus und ist auch eines – allerdings nur in den oberen Geschossen. Im Hochparterre finden Sie Marktprodukte der Region. Daraus werden kulinarische Spezialitäten bereitet in den sechs schlichten, ineinander übergehenden Restaurants im 1. Stock. Machen Sie es wie die Toulouser: Bestellen Sie ein Tagesgericht von der Schiefertafel und genießen Sie den Ausblick auf die hübschen Belle-Epoque-Häuser der Umgebung.
  • Cafés: Perfekt für einen Café au lait unter Stuckdecken und Kristalllüstern ist das „Café Bibent“ (5, place du Capitole), seit fast 100 Jahren eine Institution. Die besten Kuchen und das raffinierteste Gebäck der Stadt gibt es bei „Bapz“ (13, rue de la Bourse), auch zum Mitnehmen. Wer lieber etwas in puristischem, aber poppig buntem Ambiente zu sich nehmen möchte, sitzt richtig im „Numéro C“ (3, place des Carmes). Neben Kaffeespezialitäten stehen frisch gepresste Säfte und Fruchtcocktails auf der Karte.
  • Shopping: Toulouse ist nicht Paris. Aber wenn Sie nach typischen Mitbringseln suchen und nicht zum Veilchen-Festival in der Stadt sein können, unternehmen Sie einen kleinen Einkaufsbummel durch die Straßen um die Place du Capitole. Hier die beiden besten Adressen: Bei „La Fleurée de Pastel“ (20, rue de la Bourse) im 1495 errichteten Anwesen eines Pastel-Kaufmanns sind alle erdenklichen Produkte auf Basis der Färberwaidpflanze zu haben. Etwa Kosmetika mit dem Öl der Pastel-Samen aus der angesagten Toulouser Linie „Graine de Pastel“. Königin Sofia und Prinzessin Letizia von Spanien greifen gern in diese Tiegel. Oder traumhafte Samtschals, Seidentücher, Tischwäsche, Stoffe, Kissen und Hemden, mit Pastel-Pigmenten in vielen Blaunuancen gefärbt von der renommierten Manufaktur „Bleu de Pastel de Lectoure“, die auch Künstlerbedarf wie Öl- und Pastellkreide liefert. Der originellste Laden der Stadt schwimmt: „La Maison de la Violette“ (2, Boulevard de Bonrepos) ist ein ehemaliger Lastkahn. Gestrichen in den Veilchenfarben violett und grün liegt er vertäut auf dem Canal du Midi, schräg gegenüber dem Bahnhof. Liebhaber der Duftblume finden hier fast alles, was es sonst nur beim Festival zu kaufen gibt.
  • Genuss-Adressen: „Parfums Berdoues“: 131, Route de Toulouse in Cugnaux, Tel. 0033/562/13 56 00, www.parfumsberdoues.com. Besichtigung von Produktion und Labor nach telefonischer Voranmeldung möglich, es gibt auch einen Shop, in dem die Düfte und Kosmetikprodukte zu Sonderpreisen verkauft werden.
    „Bleu de Lectoure“: Pont de Pile, Lectoure, Tel. 0033/562/68 78 30, www.bleu-de-lectoure.com. In der historischen Färberei kann der Färbevorgang besichtigt werden, der Shop bietet eine große Auswahl an pastelgefärbten Produkten. “Château de Cassaigne”: Condom, Tel. 0033/562/28 04 02, www.chateaudecassaigne.com. Regelmäßig werden Führungen und Armagnac-Verkostungen angeboten, es gibt einen gut sortierten Laden.

Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 06. Februar 2010 um 15:34 Uhr
 

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